Bewertungstrends im europäischen Venture Capital 2025

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Bewertungstrends im europäischen Venture Capital: Was Unternehmenswert KMU Schweiz berechnen davon lernt.

Venture Capital ist Wachstumskapital für skalierbare Geschäftsmodelle: In der Schweiz vergeben VC-Fonds typischerweise CHF 1–10 Mio. in der Series-A-Phase.

Der europäische Venture-Capital-Markt durchläuft 2024 eine ausgeprägte Korrekturphase. Kapital ist knapper geworden, Bewertungen stehen unter Druck, und VC-Fonds verzeichnen Renditeschwächen, die so seit Jahren nicht mehr aufgetreten sind. Für Schweizer KMU, die eine Finanzierungsrunde planen oder eine Unternehmensbewertung vorbereiten, lohnt es sich, diese Entwicklungen zu kennen. Die folgenden Abschnitte erläutern die wichtigsten Treiber und zeigen, was sich daraus für die Praxis ergibt.

Die Bid-Ask-Spanne kehrt sich um

Gründerinnen und Gründer suchen Kapital in einem Umfeld, in dem VC-Gesellschaften deutlich selektiver geworden sind. Das Ergebnis ist eine gespaltene Preisvorstellung: Die Kapitalgeber – Limited Partners (LPs) – betrachten frühphasige Unternehmen als überbewertet, während die KMU-Inhaber selbst überzeugt sind, dass ihr Unternehmen zu tief angesetzt wird. Diese Diskrepanz ist kein kleines Detail. Sie verschiebt das Machtgefüge in Verhandlungen und erklärt, warum für 2024 ein Anstieg von Fusionen und Übernahmen (M&A) sowie Private-Equity-Transaktionen erwartet wird. Wenn VC-Geld schwieriger zugänglich ist, suchen KMU alternative Wege – und finden sie häufig in M&A-Strukturen.

Bewertungen stehen unter Abwärtsdruck

Was treibt die sinkenden Bewertungen? Ein Zusammenspiel aus höherem Zinsniveau, geopolitischer Unsicherheit und einem veränderten Investorenverhalten. VCs, die zuvor zügig abschlossen, fordern nun tiefere Einstiegspreise und legen grösseren Wert auf nachweisbare Profitabilität. LPs äussern Bedenken zur Überbewertung frühphasiger Unternehmen – und diese Skepsis überträgt sich auf jede neue Finanzierungsrunde. Für KMU bedeutet das: Wer heute eine Bewertung anstrebt, muss seine Zahlen wasserdicht aufbereiten und die eigene Effizienz klar belegen können.

VC-Fonds verzeichnen vorübergehend negative Renditen

2023 meldeten VC-Fonds erstmals seit über fünf Jahren mehrfach negative Renditen. Für erfahrene Marktteilnehmer ist das eine erwartbare Marktkorrektur nach einem langen Hochzyklus. Für Neueinsteiger im VC-Bereich fühlt sich die Situation ungewohnt an. Wer jetzt Kapital einsetzen will, braucht belastbare Datenanalysefähigkeiten und ausgeprägte Investor-Relations-Kompetenzen. Bauchgefühl reicht nicht – die Entscheidungsgrundlagen müssen auf solide Kennzahlen gestützt sein.

Due Diligence gewinnt an Bedeutung

Während des letzten Investitionsbooms war Due Diligence in manchen Runden erstaunlich oberflächlich. Das hat sich gedreht. VCs prüfen potenzielle Zielunternehmen heute deutlich sorgfältiger: Bilanzen, Kostenstruktur, Skalierbarkeit des Geschäftsmodells und Qualität des Managements stehen wieder im Zentrum. Bewährte Benchmarks und verlässliche Daten gewinnen an Gewicht. Für KMU, die eine Finanzierungsrunde anstreben, bedeutet das konkret: Eine lückenlose und nachvollziehbare Finanzdokumentation ist heute Pflicht, nicht Option.

Der europäische VC-Markt 2024

2023 war ein schwieriges Jahr für den gesamten VC-Markt. Der Krieg in der Ukraine, globale Lieferkettenprobleme, steigende Zinsen, anhaltende Inflation und eine latente Rezessionsgefahr belasteten das Investitionsklima spürbar. Transaktionszahlen und das insgesamt eingesetzte Kapital gingen zurück. Besonders betroffen waren Unternehmen in späten Finanzierungsphasen, bei denen Bewertungen am stärksten unter Druck gerieten.

Rückgang beim Fundraising und Verschiebung bei den Exit-Aktivitäten

In der zweiten Jahreshälfte 2023 verlangsamte sich das Fundraising merklich – die allgemeine Marktverunsicherung hemmte neue Kapitalzusagen. Gleichzeitig brach die Exit-Aktivität ein. Was blieb: M&A-Transaktionen machten 50% der VC-gestützten Exits aus. Junge KMU wählten diesen Weg, um unter dem Dach etablierter und gut kapitalisierter Unternehmen finanzielle Stabilität zu gewinnen. Diese Verschiebung ist strukturell, nicht nur konjunkturell.

Q1 2024: Rückgang bei Transaktionsvolumen und Fundraising

Das erste Quartal 2024 setzte den Abwärtstrend fort. Der Wert europäischer Venture-Transaktionen sank im Quartalsvergleich um 32,1%, die Anzahl der Transaktionen fiel um 19,2%. Investorinnen und Investoren reagierten auf hohe Inflation und eine restriktive Geldpolitik mit Zurückhaltung und konzentrierten sich auf Kapitaleffizienz. Debt-Runden traten häufiger neben Eigenkapitalrunden auf – eine Entwicklung, die in einzelnen KMU zu Stellenabbau und Kostensenkungsmassnahmen geführt hat.

Grafik: Europäisches Venture-Transaktionsvolumen (Q1 2023 – Q1 2024)

Quartal Transaktionswert (EUR Milliarden) Anzahl Transaktionen
Q1 2023 15.2 900
Q2 2023 13.0 850
Q3 2023 12.5 800
Q4 2023 10.3 750
Q1 2024 7.0 600

Ausblick auf Q2 2024

Q2 2024 blieb ein anspruchsvolles Quartal. VC-Investorinnen und -Investoren prüften vor allem die Widerstandsfähigkeit von Geschäftsmodellen und achteten auf Kostensenkungsmassnahmen in ihren Portfoliounternehmen. Gut kapitalisierte Unternehmen nutzten das Umfeld teilweise als Akquisitionsgelegenheit. Regierungen weiteten die Unterstützung für KMU aus, und Non-Core-Carve-outs sowie Bolt-on-Transaktionen nahmen zu – eine Entwicklung, die sich bei anhaltenden Marktherausforderungen fortsetzen dürfte.

Technologieeinsatz in VC-Gesellschaften

VC-Gesellschaften begegnen dem schwierigen Marktumfeld mit verstärktem Technologieeinsatz. Konkret kommen Künstliche Intelligenz (KI) und maschinelles Lernen in drei Bereichen zum Einsatz:

1. Verbesserung der Due Diligence: KI analysiert grosse Datenmengen schnell und identifiziert potenzielle Risiken sowie Chancen effizienter als herkömmliche Methoden. 2. Optimierung des Deal Sourcings: Machine-Learning-Algorithmen identifizieren vielversprechende KMU, indem sie Markttrends und Unternehmenskennzahlen auswerten. 3. Optimierung des Portfoliomanagements: KI-gestützte Tools helfen VCs, ihre Portfoliounternehmen effektiver zu steuern, Leistungseinblicke zu gewinnen und Verbesserungspotenziale aufzuzeigen.

Einfluss wirtschaftlicher Faktoren auf VC-Bewertungen

Drei makroökonomische Faktoren prägen das aktuelle Bewertungsumfeld besonders stark:

1. Inflation: Hohe Inflationsraten erhöhen die Kapitalkosten, was Investorinnen und Investoren vorsichtiger werden lässt und zu niedrigeren Bewertungen führt. 2. Zinssätze: Steigende Zinsen verteuern die Fremdfinanzierung, was die für Eigenkapitalinvestitionen verfügbare Kapitalmenge reduzieren kann. 3. Geopolitische Unsicherheit: Anhaltende Konflikte und geopolitische Spannungen erzeugen Unsicherheit, beeinträchtigen das Anlegervertrauen und führen zu konservativeren Bewertungen.

Strategien für KMU zur Navigation im VC-Umfeld

Vier Massnahmen sind heute besonders wirkungsvoll:

1. Fokus auf Profitabilität: Angesichts des Bewertungsdrucks kann ein klar aufgezeigter Weg zur Profitabilität ein KMU für Investorinnen und Investoren attraktiver machen. 2. Kostenmanagement: Die Umsetzung von Kostensenkungsmassnahmen und die Verbesserung der betrieblichen Effizienz können KMU helfen, Finanzierungsengpässe zu überbrücken. 3. Starke Investor Relations: Eine transparente und proaktive Kommunikation mit Investorinnen und Investoren schafft Vertrauen und verbessert die Finanzierungsaussichten. 4. Erschliessung alternativer Finanzierungsquellen: Neben klassischer VC-Finanzierung sollten KMU alternative Quellen wie Fremdfinanzierung, Crowdfunding und strategische Partnerschaften in Betracht ziehen.

Staatliche Unterstützung für KMU

Europäische Regierungen haben die Bedeutung der KMU-Förderung erkannt und verschiedene Massnahmen umgesetzt:

1. Förderprogramme: Bereitstellung nicht-verwässernder Mittel, um KMU bei der Bewältigung wirtschaftlicher Herausforderungen zu unterstützen. 2. Steuerliche Anreize: Steuerliche Vergünstigungen und Anreize zur Förderung von Investitionen in KMU. 3. Öffentlich-private Partnerschaften: Zusammenarbeit mit privatwirtschaftlichen Akteuren zur Bereitstellung von Finanzierung und Ressourcen für KMU.

Fazit und nächste Schritte

Der europäische VC-Markt 2024 stellt Investorinnen und Investoren sowie KMU gleichermassen vor erhebliche Herausforderungen. Bewertungen stehen unter Abwärtsdruck, verstärkt durch Zins- und Inflationsraten, und VC-Fonds verzeichnen vorübergehend negative Renditen. Durch eingehende Due-Diligence-Prüfungen, den Einsatz von Technologie und die Optimierung der Effizienz können KMU und VCs diesen unsicheren Markt navigieren. Wer über VC-Trends und aktuelle Marktentwicklungen informiert bleibt, ist gut positioniert, um die sich bietenden Chancen zu nutzen.

Das Scalemetrics-Team unterstützt Schweizer KMU dabei, solche Entscheidungen proaktiv zu treffen – bevor der Markt sich bewegt. Erfahren Sie mehr über unsere Unternehmensbewertung oder entdecken Sie unsere CFO-Dienstleistungen für Schweizer Unternehmen.

Häufig gestellte Fragen

Was müssen Schweizer KMU über die VC-Bewertungslage 2024 wissen?

Der europäische VC-Markt steht unter erheblichem Druck: Bewertungen sinken, VC-Fonds verzeichnen vorübergehend negative Renditen, und die Bid-Ask-Spanne zwischen Gründerinnen und Gründern sowie Limited Partners hat sich geöffnet. KMU, die eine Finanzierungsrunde planen, sollten ihre Unterlagen sorgfältig aufbereiten und auf einen klar dokumentierten Weg zur Profitabilität setzen. Die Zunahme von M&A-Transaktionen und Private-Equity-Aktivitäten bietet dabei auch Alternativen zur klassischen VC-Finanzierung.

Welche Unterstützung bietet Scalemetrics für Schweizer KMU?

Das Scalemetrics-Team bietet Schweizer KMU-Inhabern und CFOs praxisnahe Finanzberatung: von Buchhaltung und Steuern über Finanzplanung bis hin zu CFO-on-Demand-Dienstleistungen. Ziel ist es, KMU Zugang zu Expertise zu geben, die sonst nur grossen Unternehmen mit internen CFOs vorbehalten ist.

Ab wann lohnt sich ein Fractional CFO für ein Schweizer KMU?

Ab einem Jahresumsatz von CHF 1–2 Mio. oder bei bevorstehenden Ereignissen wie Kreditanträgen, M&A oder Investorenrunden empfiehlt sich ein Fractional CFO. Die Kosten liegen deutlich unter denen eines Festangestellten, und die Expertise ist sofort abrufbar.

Wie unterscheidet sich Scalemetrics von einer traditionellen Treuhandgesellschaft?

Während Treuhandfirmen primär auf Steuer-Compliance und Jahresabschlüsse fokussiert sind, bietet Scalemetrics strategische Finanzführung: Liquiditätsplanung, Szenariomodellierung, KPI-Controlling und Finanzierungsberatung – als laufendes Mandat oder projektbasiert.

In welchen Kantonen ist Scalemetrics tätig?

Scalemetrics betreut Kunden schweizweit, mit Schwerpunkt in Zürich, Zug, Basel und Bern. Dank digitaler Arbeitsweise und MWST-Expertise in allen Kantonen ist eine ortsunabhängige Zusammenarbeit problemlos möglich.

Europäisches Venture Capital 2025: Marktüberblick und Bewertungstrends

Der europäische Venture-Capital-Markt durchläuft 2025 eine Phase der Konsolidierung nach den Rekordjahren 2021–2022. Bewertungen haben sich in vielen Segmenten normalisiert, doch selektiv – insbesondere in den Bereichen KI, Deep Tech und Climate Tech – sind weiterhin attraktive Multiples zu beobachten. Für Schweizer KMU und Startups, die eine Finanzierungsrunde planen, ist ein fundiertes Verständnis dieser Bewertungstrends essenziell für eine erfolgreiche Kapitalaufnahme.

Zentrale Bewertungstrends im europäischen VC-Markt 2025:

  • Normalisierung der Seed-Bewertungen: Pre-Money-Bewertungen bei Seed-Runden liegen 2025 typischerweise zwischen EUR 3–8 Mio., nach Spitzenwerten von EUR 10–20 Mio. in 2021
  • KI-Premium: Startups mit nachweislichem KI-Core erzielen weiterhin 30–50% höhere Bewertungsmultiples als vergleichbare Nicht-KI-Peers
  • Revenue-based Valuation: SaaS-Multiples liegen 2025 bei 5–8x ARR (vs. 15–25x in 2021); starke Unit Economics werden prämiert
  • Down Rounds haben zugenommen – rund 15% aller Series-A/B-Runden 2024 wurden als Down Round strukturiert
  • Bridge-Finanzierungen überbrücken viele Schweizer Startups bis zur nächsten Hauptrunde

Implikationen für Schweizer KMU bei der Bewertungsoptimierung

Schweizer Startups und Wachstums-KMU, die 2025 eine Finanzierungsrunde planen, müssen ihre Bewertungsstory sorgfältig aufbauen. Die Währungsstärke des CHF kann dabei sowohl Vor- als auch Nachteil sein: Einerseits signalisiert ein Schweizer Domizil Stabilität und Regulierungssicherheit, andererseits sind CHF-Kosten im internationalen Vergleich hoch und müssen in Revenue-Prognosen adäquat eingepreist werden.

Bewertungsrelevante Faktoren für Schweizer KMU 2025:

  1. Recurring Revenue: ARR/MRR-Wachstum ist das wichtigste Bewertungskriterium – mindestens 80% YoY für Premium-Bewertungen
  2. Net Revenue Retention (NRR): NRR über 110% signalisiert starkes Expansion Revenue
  3. Gross Margin: SaaS-Unternehmen benötigen mindestens 70% Bruttomarge für attraktive Multiples
  4. Capital Efficiency: Rule of 40 (Wachstum + EBITDA-Marge > 40%) wird von Top-VCs priorisiert

VC-Bewertungsmultiples nach Segment (Europa 2025)

Segment Seed Multiple Series A Multiple Trend
B2B SaaS 5–8x ARR 6–10x ARR Stabil
KI/Deep Tech 8–15x ARR 10–20x ARR Steigend
Climate Tech 6–12x ARR 8–14x ARR Steigend
Marketplace/E-Commerce 2–4x GMV 3–5x GMV Fallend

Für eine fundierte Bewertungsanalyse und professionelle Vorbereitung Ihrer nächsten Finanzierungsrunde steht Ihnen unser Team zur Verfügung. Mehr erfahren unter Investor Readiness.

Pascal Stämpfli, CFA – MD & CFO Strategist bei Scalemetrics
Pascal Stämpfli, CFA
MD & CFO Strategist, Scalemetrics

Pascal ist ein erfahrener Finanzfachmann, Venture-Capital-Experte und vertrauenswürdiger Berater für Startups und Investoren. Er ist CFA-Charterholder und hat einen Master in Ökonomie der Universität St. Gallen. Er ist Gründer von Scalemetrics und Mitgründer von Kubera Equity. Mit über einem Jahrzehnt Erfahrung in Corporate Finance und Venture Building hat Pascal Tausende von Unternehmen in der Frühphase bewertet und Gründer in ganz Europa beraten. Als Managing Partner bei COREangels Big Data & AI Europe und regelmässiges Jurymitglied bei Pitch-Events ist er tief in der Zürcher Startup-Szene verwurzelt und weithin als Experte für Erfolgsfaktoren und Wachstumsfinanzierung anerkannt.