Corporate Governance in der Due Diligence: Was Schweizer KMU vorbereiten müssen
Quick Answer
Corporate Governance Due Diligence: Was Unternehmensprüfung Schweiz KMU bei Struktur und Führung prüft.
Corporate Governance ist weit mehr als ein regulatorisches Pflichtprogramm – sie ist ein entscheidender Wertfaktor in jeder Due Diligence. Für Schweizer KMU, die eine Finanzierungsrunde planen oder verkauft werden, ist eine professionelle Governance-Struktur ein wesentliches Vertrauenssignal gegenüber Investoren und Käufern.
Was versteht man unter Corporate Governance?
Corporate Governance umfasst das System, nach dem ein Unternehmen geleitet und kontrolliert wird: die Rollenverteilung zwischen Verwaltungsrat und Geschäftsführung, die Entscheidungsprozesse, die interne Kontrolle und die Transparenz gegenüber Stakeholdern. Im Schweizer Kontext ist das OR (Obligationenrecht) die massgebliche Rechtsgrundlage.
Was Investoren in der Governance-Prüfung erwarten
1. Klare Gremienstruktur
Ist der Verwaltungsrat (VR) klar von der operativen Geschäftsführung getrennt? Gibt es unabhängige VR-Mitglieder? Wie häufig tagt der VR, und werden Protokolle ordentlich geführt? Diese Fragen sind für jeden Investor mit institutionellem Hintergrund Standard.
2. Gesellschaftervereinbarungen und Cap Table
Gibt es ein vollständiges, aktuelles Cap Table? Existieren klare Aktionärbindungsverträge (ABV)? Sind Vorkaufsrechte, Mitveräusserungsrechte (Tag-Along) und Mitnahmerechte (Drag-Along) sauber dokumentiert? Fehlende oder widersprüchliche Vereinbarungen sind schwerwiegende Governance-Red-Flags.
3. Interessenskonflikte und Related-Party-Transactions
Geschäfte zwischen dem KMU und verbundenen Parteien (Gründer, VR-Mitglieder, nahestehende Unternehmen) werden von Investoren besonders kritisch geprüft. Solche Transaktionen müssen marktkonform dokumentiert und genehmigt sein.
4. IP-Eigentümerschaft
Gehört das geistige Eigentum (Software, Patente, Marken) dem Unternehmen – oder liegt es noch bei Gründern oder externen Entwicklern? Fehlende IP-Überträgungsverträge sind einer der häufigsten Governance-Mängel in Schweizer KMU.
Corporate-Governance-Checkliste für Schweizer KMU
- Handelsregistereintrag aktuell und vollständig
- VR-Protokolle der letzten 3 Jahre vorhanden und unterzeichnet
- Aktionärbindungsvertrag (ABV) vollständig und aktuell
- Cap Table mit allen Beteiligungen, Optionen und Wandeldarlehen
- IP-Überträge aller relevanten Rechte ans Unternehmen
- Interessenskonflikt-Register für VR-Mitglieder
- Zeichnungsberechtigungen im HR geregelt und aktuell
FAQ: Corporate Governance in der DD Schweiz
Muss eine Schweizer AG einen unabhängigen VR haben? Nicht zwingend gesetzlich, aber für Investoren eine klare Erwartung ab Series A aufwärts.
Was kostet die Behebung von Governance-Mängeln? Abhängig vom Ausmass: CHF 5’000–30’000 für Vertragsanpassungen und Handelsregisterkorrekturen – verglichen mit potenziellen Bewertungsverlusten ein minimaler Aufwand.
Scalemetrics: Due-Diligence-Vorbereitung für Schweizer KMU
Scalemetrics identifiziert Governance-Schwachstellen frühzeitig und bereitet Schweizer KMU systematisch auf die Investoren-Due-Diligence vor. Financial Due Diligence Service | Jetzt beraten lassen
Verwandte Ressourcen
Sources & References
Corporate Governance Due Diligence: Was Investoren bei Schweizer KMU prüfen
Corporate Governance ist für Schweizer KMU oft ein Thema, das erst mit dem ersten Investor oder M&A-Prozess wirklich relevant wird. Dabei ist eine professionelle Governance-Struktur einer der stärksten Vertrauenssignale, die ein Unternehmen senden kann. Sie zeigt, dass das Unternehmen über die Gründungsphase hinaus institutionell reif ist.
Das revidierte Schweizer Aktienrecht (in Kraft seit 1.1.2023) hat einige Neuerungen gebracht, die auch GmbHs betreffen: erweiterte Berichtspflichten, neue Anforderungen an die Liquiditätssicherung (OR Art. 725a/725b), und stärkere Minderheitsaktionärsrechte. Investoren, die Due Diligence durchführen, prüfen diese Compliance-Anforderungen systematisch – und Lücken werden als Governance-Red-Flag gewertet.
Corporate Governance Audit: Häufige Lücken bei Schweizer KMU
| Governance-Element | Erwarteter Standard | Häufige Lücke |
|---|---|---|
| Verwaltungsrat | Unabhängiges Mitglied, klare Kompetenzordnung | VR nur aus Gründerkreis, keine Protokolle |
| Risikomanagement | Dokumentiertes Risk Framework | Nur implizit, nicht schriftlich |
| Interessenkonflikte | Schriftliche Offenlegungspflicht | Keine Regelung vorhanden |
| Revisionsstelle | Ordentliche Revision ab CHF 20M Bilanzsumme | Eingeschränkte Revision trotz Schwellenwert-Überschreitung |
| VR-Protokolle | Vollständig, signiert, archiviert | Fehlende Jahrgänge, mündliche Beschlüsse |
Governance-Professionalisierung in 3 Schritten
- Schritt 1 – Kompetenzordnung dokumentieren: Wer darf was ohne VR-Beschluss entscheiden? Standard: CEO entscheidet bis CHF 50'000 selbst, CFO bis CHF 25'000, darüber VR-Beschluss. Schriftlich festhalten und ins Organisations-Reglement aufnehmen.
- Schritt 2 – Unabhängigen VR-Vertreter gewinnen: Ein erfahrener unabhängiger VR (kein Aktionär, kein Angestellter) signalisiert Institutionalisierung. Kosten: CHF 15'000–40'000/Jahr Honorar, Gegenwert: höhere Investorenbewertung und bessere Entscheidungsqualität.
- Schritt 3 – Risk Framework aufsetzen: Top-10-Risiken inventarisieren (Schlüsselpersonen, Cyberrisiken, Kundenkonzentration, FX, regulatorisch), Eintrittswahrscheinlichkeit und Impact bewerten, Massnahmen definieren. Einmalaufwand: 1–2 Tage CFO-Zeit.
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