Due-Diligence-Checkliste für Schweizer M&A-Transaktionen: Finanzen, Steuern & Recht

Due Diligence Checklist for Swiss M&A Transactions — ScaleMetrics

Schweizer KMU-Fusionen und -Übernahmen sind 2026 weiter auf dem Vormarsch. Der Anstieg von 16% im Vorjahr setzt sich fort – angetrieben durch die demografische Nachfolgewelle und verstärktes Private-Equity-Engagement. Was viele Transaktionen scheitern lässt, ist jedoch selten die Preisfindung. Häufiger liegt es daran, dass der Käufer im Nachhinein Probleme entdeckt, die nicht offengelegt wurden, oder der Verkäufer die erwarteten Unterlagen schlicht nicht bereitstellen kann. Diese Checkliste deckt beide Perspektiven ab: Was Käufer prüfen müssen und was Verkäufer vorbereiten sollten, bei Schweizer KMU-Transaktionen mit einem Unternehmenswert von CHF 1 Mio. bis CHF 30 Mio.

Was ist Due Diligence im Schweizer M&A-Kontext?

Due Diligence ist die strukturierte Untersuchung, die ein Käufer vor dem Abschluss einer Akquisition durchführt. Im Schweizer M&A-Umfeld gliedert sich dieser Prozess in vier Hauptarbeitsstränge: finanzielle, rechtliche, steuerliche und kommerzielle Prüfung. Bei Transaktionen unter CHF 5 Mio. verlassen sich viele Käufer auf Vendor-Due-Diligence-Berichte des Verkäufers. Über CHF 10 Mio. ziehen Käufer in der Regel unabhängige Finanzberater, Anwälte und Steuerexperten hinzu – mit einer Prüfungsdauer von vier bis acht Wochen. Unsere Financial-Due-Diligence-Leistungen unterstützen sowohl Käufer als auch Verkäufer durch diesen Prozess.

Financial Due Diligence Schweiz: Was Käufer bei jeder Schweizer KMU-Transaktion prüfen

Financial Due Diligence Schweiz bezeichnet den strukturierten Prozess, mit dem Käufer die finanzielle Integrität eines Schweizer KMU vor Abschluss prüfen. Anders als die gesetzliche Revision richtet sich der Fokus dabei auf normalisierte Ertragsqualität, Working-Capital-Entwicklungen, ausserbilanzielles Exposure und Steuerrisiken.

Im Schweizer KMU-Markt ist das besonders relevant. Viele eigentümergeführte Unternehmen verbuchen private Aufwendungen über die Gewinn- und Verlustrechnung, tätigen konzerninterne Transaktionen zu nicht fremdüblichen Preisen oder weisen BVG-Verpflichtungen nicht vollständig in den GAAP-Konten aus. Die Differenz zwischen ausgewiesenem und normalisiertem EBITDA kann dadurch leicht 15-30% erreichen.

Das Scalemetrics-Team bereitet Schweizer KMU auf Buy-side- und Sell-side-Transaktionen vor: Aufbau des Finanzdatenraums, normalisierte EBITDA-Überleitung, Identifikation und Quantifizierung von Steuerrisiken (insbesondere Verrechnungspreise, MWST und Verrechnungssteuer) sowie Vorbereitung der Management-Accounts, die institutionelle Käufer und Private-Equity-Fonds erwarten.

Checkliste: Finanzielle Due Diligence

  • Revidierte Jahresabschlüsse (3 Jahre): OR-konforme Abschlüsse, bestätigt durch einen zugelassenen Revisionsexperten. Käufer suchen nach Nachtragsänderungen, Einschränkungen und Konsistenz über die Jahre.
  • Management-Accounts (12-24 Monate): Monatliche Gewinn- und Verlustrechnung, Bilanz und Cashflow – idealerweise nach Produktlinie oder Kundensegment aufgegliedert.
  • EBITDA-Normalisierungsrechnung: Alle Eigentümer-Add-Backs müssen dokumentiert sein: marktunübliches Eigentümergehalt, private Ausgaben über das Unternehmen, einmalige Kosten und nicht wiederkehrendes Einkommen.
  • Working-Capital-Analyse: 12-Monats-Durchschnitt von Forderungen, Verbindlichkeiten und Vorräten. Käufer verwenden diese Daten, um den Working-Capital-Peg im Kaufvertrag festzulegen.
  • Kundenkonzentration: Jeden Kunden mit mehr als 15% Umsatzanteil kennzeichnen. Käufer verlangen Garantien über Vertragsstatus und Verlängerungswahrscheinlichkeit.
  • Verschuldung und ausserbilanzmässige Verbindlichkeiten: Alle Bankkredite, Leasingverträge, Aktionärsdarlehen, abgegrenzte Erträge und Eventualverbindlichkeiten vollständig erfassen.

Checkliste: Steuerliche Due Diligence

  • Steuerveranlagungen (5 Jahre): Kantonale und eidgenössische Schlussveranlagungen. Offene Veranlagungsjahre bleiben als Eventualverbindlichkeit bestehen.
  • MWST-Compliance: Aktueller Registrierungsstatus, letzte drei Quartalsabrechnungen, ESTV-Prüfungen. MWST-Nachforderungen sind erstrangige Gläubigeransprüche.
  • AHV/ALV/BVG-Sozialversicherung: Bestätigung des aktuellen Status bei der kantonalen AHV-Ausgleichskasse und der Pensionskasse. Offene AHV-Rückstände können auf neue Aktionäre übergehen.
  • Verrechnungssteuer: Bestätigung, dass alle Dividenden der letzten fünf Jahre korrekt deklariert und die 35%-Verrechnungssteuer abgerechnet wurde.
  • Verlustvorträge: Diese überleben einen Aktienverkauf, sind jedoch bei einem Aktivenverkauf eingeschränkt. Sorgfältig quantifizieren – sie stellen einen echten Steuerwert für einen profitablen Käufer dar.

Checkliste: Rechtliche Due Diligence

  • Handelsregisterauszug: Sitz, Aktienkapital, Zeichnungsberechtigte und Gesellschaftszweck bestätigen. Übertragungsbeschränkungen für Aktien prüfen.
  • Statuten und Aktionärsvereinbarung: Drag-along-/Tag-along-Rechte, Vorkaufsrechte und Genehmigungsrechte für Kontrollwechsel prüfen.
  • Wesentliche Verträge: Alle Vereinbarungen über CHF 50k oder mit Laufzeit über 12 Monate. Change-of-Control-Klauseln identifizieren, die die Zustimmung der Gegenpartei beim Closing erfordern.
  • Arbeitsverträge: OR Art. 333 verpflichtet zur Mitarbeiterinformation mit Widerspruchsrecht beim Aktivenverkauf. Schlüsselmitarbeiterbindung vor der Unterzeichnung besprechen.
  • Geistiges Eigentum: Eigentum an Marken, Patenten, Software und Domainnamen bestätigen. IP, das persönlich beim Gründer registriert ist, muss vor Closing auf das Unternehmen übertragen werden.

Kommerzielle und operative Due Diligence

Die kommerzielle Due Diligence überprüft, ob die Geschäftsannahmen, auf denen der Kaufpreis basiert, der Realität standhalten. Käufer führen diesen Strang zunehmend parallel zur finanziellen Prüfung durch – insbesondere wenn das EBITDA-Multiple des Verkäufers über 5x liegt und der Aufwand für eine unabhängige Marktvalidierung dadurch gerechtfertigt ist.

  • Marktgrösse und Wettbewerbsposition: Unabhängige Bestätigung, dass der adressierbare Markt die Umsatzentwicklung im Businessplan trägt. In der Schweiz sind viele KMU-Märkte regional und spezialisiert – ein KMU mit CHF 5 Mio. Umsatz kann bereits 30% des Marktes im eigenen Kanton abdecken.
  • Kundenreferenzen: Typischerweise 3-5 Gespräche mit wichtigen Kunden zur Verifizierung von Zufriedenheit, Vertragsstatus und Verlängerungsabsicht nach der Übernahme. Dies ist Standard bei PE-geführten Transaktionen über CHF 5 Mio.
  • Schlüsselpersonenabhängigkeit: Einschätzung, wie viel des Unternehmenswertes von den Beziehungen, der Fachkompetenz oder dem Ruf des verkaufenden Eigentümers abhängt. Käufer verlangen typischerweise eine Earn-out- oder Lock-up-Vereinbarung von 12-24 Monaten, wenn eine hohe Abhängigkeit besteht.
  • Technologie und Systeme: Zustand von ERP, CRM und Buchhaltungssystemen beurteilen. Veraltete Systeme verursachen versteckte Integrationskosten. Bei produzierenden KMU werden hier auch Maschinenalter und Wartungsunterlagen einbezogen.

Häufige Due-Diligence-Warnsignale bei Schweizer KMU-Transaktionen

Manche Probleme tauchen in Schweizer KMU-Transaktionen immer wieder auf. Wer sie kennt, kann frühzeitig gegensteuern.

  • Fehlende oder nicht revidierte Abschlüsse: Ohne unabhängige Prüfung fehlt institutionellen Käufern die Grundlage zur Einschätzung. Verkäufer sollten mindestens 2 Jahre vor dem Verkauf eine beschränkte Revision beauftragen.
  • Private Ausgaben im Unternehmen: Fahrzeuge, Reisen, Familiengehälter und Liegenschaftskosten ohne klare Dokumentation. Was sich nicht verifizieren lässt, lässt sich auch nicht normalisieren.
  • Offene AHV/MWST-Rückstände: Diese sind in öffentlichen Registern einsehbar. Verkäufer sollten alle Rückstände vor dem Verkaufsstart bereinigen.
  • IP im Privatbesitz des Gründers: Eine Website-Domain, Software-Lizenz oder Marke im Privatbesitz schafft ein strukturelles Hindernis, das rechtliche Umstrukturierung erfordert.

Wie lange dauert die Due Diligence bei einer Schweizer KMU-Transaktion?

Bei einer typischen Schweizer KMU-Transaktion zwischen CHF 2 Mio. und CHF 15 Mio. dauert die Due Diligence vier bis acht Wochen ab Öffnung des Datenraums. Gut vorbereitete Verkäufer mit einem vollständigen Datenraum am ersten Tag verkürzen diesen Zeitraum konsistent um zwei bis drei Wochen. Transaktionen über CHF 15 Mio. mit grenzüberschreitenden Elementen oder Liegenschaften benötigen typischerweise acht bis zwölf Wochen.

Aktienverkauf oder Aktivenverkauf, was ist vorteilhafter?

In der Schweiz bevorzugen Verkäufer den Aktienverkauf, da der Kapitalgewinn auf privat gehaltenen Aktien mit einer Haltedauer von über fünf Jahren auf Bundesebene grundsätzlich einkommenssteuerfrei ist. Das ist ein erheblicher Vorteil bei Transaktionswerten im Millionenbereich. Käufer wiederum bevorzugen den Aktivenverkauf, weil sie damit die Steuerbasis der übernommenen Aktiven neu setzen und historische Verbindlichkeiten ausschliessen können. Käufer, die auf einem Aktivenverkauf bestehen, müssen dem Verkäufer typischerweise eine Preisprämie von 10-15% anbieten, um die entstehende Steuerbelastung auszugleichen.

Brauche ich einen CFO oder Finanzberater für die Due Diligence?

Bei Transaktionen über CHF 2 Mio. ist die Einbindung eines Finanzberaters oder Interim-CFOs vor dem Verkaufsstart dringend empfehlenswert. Dieser erstellt die normalisierte EBITDA-Analyse, baut den Datenraum auf und verhandelt den Working-Capital-Peg. Die Kosten für eine verkäuferseitige Beratung bei einer Transaktion zwischen CHF 3 Mio. und CHF 15 Mio. betragen typischerweise CHF 15'000-50'000 – und amortisieren sich durch bessere Konditionen und schnellere Abwicklung in der Regel mehrfach. Das Scalemetrics-Team bietet Steuerberatung und CFO-Dienstleistungen für Schweizer KMU-Transaktionen auf beiden Seiten.

Was muss ein Schweizer M&A-Datenraum enthalten?

Ein vollständiger Datenraum umfasst neun Abschnitte: (1) Gesellschaftsstruktur und Governance, (2) Jahresabschlüsse und Management-Accounts, (3) Steuerveranlagungen und MWST-Abrechnungen, (4) wesentliche Verträge, (5) Personal und HR, (6) geistiges Eigentum, (7) Liegenschaften und Anlagevermögen, (8) Versicherungen sowie (9) Rechtsstreitigkeiten und Compliance. Alle Dokumente sollten in der Originalsprache vorliegen – Käufer bei Schweizer Transaktionen erwarten Dokumente auf Deutsch, Französisch, Italienisch oder Englisch.

Was ist ein Earn-out und wie funktioniert er in der Schweiz?

Ein Earn-out ist ein aufgeschobener Zahlungsmechanismus, bei dem ein Teil des Kaufpreises nur bei Erreichen definierter Leistungsziele nach dem Closing gezahlt wird. Gemessen wird typischerweise EBITDA oder Umsatz, verglichen mit den Businessplan-Projektionen des Verkäufers. In der Schweiz unterliegen Earn-outs dem Obligationenrecht (OR) und müssen vertraglich präzise formuliert werden – unklare Earn-out-Klauseln sind die häufigste Ursache für Post-Closing-Streitigkeiten. Earn-out-Perioden von 12-24 Monaten sind bei Schweizer KMU-Transaktionen Standard.

Welche MWST-Risiken sind bei einer Schweizer M&A-Transaktion zu prüfen?

Die ESTV prüft rückwirkend bis zu fünf Jahre – offene MWST-Rückstände sind öffentlich einsehbar und werden von Käuferanwälten standardmässig abgefragt. MWST-Nachforderungen gelten als erstrangige Gläubigeransprüche und überleben auch einen Aktivenverkauf. Das macht sie zu einem der kritischsten Risikofaktoren in der steuerlichen Due Diligence. Verkäufer sollten vor dem Verkaufsprozess alle offenen Quartalsabrechnungen einreichen und allfällige ESTV-Prüfungsprotokolle im Datenraum bereitstellen.

Wie wirken sich BVG-Unterdeckungen auf eine M&A-Transaktion aus?

Eine Unterdeckung der Pensionskasse gemäss BVG kann bei einer M&A-Transaktion erhebliche finanzielle Folgen haben, da der Käufer die Sanierungsbeiträge übernehmen muss. Diese Verbindlichkeit erscheint in vielen Schweizer KMU-Bilanzen nicht explizit. Die Due Diligence sollte deshalb stets eine aktuelle versicherungstechnische Bestätigung der Pensionskasse sowie die letzte Jahresrechnung des BVG-Kollektivvertrags umfassen. Käufer verlangen in solchen Fällen regelmässig eine entsprechende Preisreduktion oder Freistellungserklärung im Aktienkaufvertrag.

Was macht Scalemetrics für Schweizer KMU?

Scalemetrics ist ein CFO-as-a-Service-Anbieter für Schweizer KMU mit CHF 1-20 Mio. Umsatz. Das Mandat umfasst OR-konforme Buchhaltung, AHV-Lohnbuchhaltung, vierteljährliche MWST-Abrechnungen, Budgetierung, Finanzmodellierung und Management-Reporting – ohne die Fixkosten eines hauptamtlichen CFOs.

Was macht ein fraktionaler CFO für ein Schweizer KMU?

Ein fraktionaler CFO übernimmt die gesamte Finanzinfrastruktur eines Schweizer KMU: OR-konforme Buchhaltung, vierteljährliche MWST-Abrechnungen, AHV-Lohnbuchhaltung, Budgetierung, Finanzmodellierung und Reporting auf Verwaltungsratsebene. Das Engagement ist Teilzeit und flexibel und liefert CFO-Expertise auf Senior-Niveau für CHF 3'000-12'000/Monat statt CHF 216'000-350'000/Jahr.

Pascal Stämpfli, CFA – MD & CFO Strategist bei Scalemetrics
Pascal Stämpfli, CFA
MD & CFO Strategist, Scalemetrics

Pascal ist ein erfahrener Finanzfachmann, Venture-Capital-Experte und vertrauenswürdiger Berater für Startups und Investoren. Er ist CFA-Charterholder und hat einen Master in Ökonomie der Universität St. Gallen. Er ist Gründer von Scalemetrics und Mitgründer von Kubera Equity. Mit über einem Jahrzehnt Erfahrung in Corporate Finance und Venture Building hat Pascal Tausende von Unternehmen in der Frühphase bewertet und Gründer in ganz Europa beraten. Als Managing Partner bei COREangels Big Data & AI Europe und regelmässiges Jurymitglied bei Pitch-Events ist er tief in der Zürcher Startup-Szene verwurzelt und weithin als Experte für Erfolgsfaktoren und Wachstumsfinanzierung anerkannt.