Schweizer Gesetz zur Unternehmensverantwortung: Was KMU 2026 wissen müssen
Quick Answer
Der Swiss Corporate Sustainability Act betrifft KMU über Lieferkettenpflichten. Erfahren Sie alles über Scope-3-Datenanfragen und CFO-Strategien.
Am 1. April 2026 hat der Bundesrat die Vernehmlassung zum Corporate Sustainability Act (CSA) eröffnet – ein wegweisendes Gesetz, das die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen in der Schweiz grundlegend verändern wird. Zwar richtet sich das Gesetz primär an Grossunternehmen mit über 1’000 Mitarbeitenden oder einem Jahresumsatz von mehr als CHF 450 Millionen, doch die Auswirkungen reichen weit über diese Schwellenwerte hinaus.
Falls Sie ein Schweizer KMU führen, denken Sie vielleicht, dass Sie das nicht betrifft. Die Realität sieht jedoch anders aus: Ihre grössten Kunden werden bald gesetzlich verpflichtet sein, über ihre gesamte Wertschöpfungskette zu berichten – und dazu gehören auch Sie.
Was ist der Swiss Corporate Sustainability Act?
Der CSA baut auf dem bestehenden Compliance-Rahmenwerk der Schweiz auf und orientiert sich an der EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD). Die wichtigsten Bestimmungen umfassen:
- Pflicht zur ESG-Berichterstattung für Unternehmen oberhalb der Schwellenwerte (1’000 Mitarbeitende oder CHF 450 Mio. Umsatz)
- Sorgfaltspflichten in der Lieferkette bezüglich Umweltauswirkungen, Menschenrechte und Unternehmensführung
- Offenlegung von Scope-1-, 2- und 3-Emissionen – Grossunternehmen müssen Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette ausweisen
- Finanzielle Sanktionen von bis zu 3 % des globalen Jahresumsatzes bei Nichteinhaltung
- Pflicht zur Prüfung durch Dritte für Nachhaltigkeitsberichte
Die Vernehmlassungsfrist läuft bis Juli 2026. Das Gesetz soll ab 2027–2028 stufenweise in Kraft treten.
Warum KMU jetzt aufmerksam sein sollten
Für kleinere Unternehmen wird es hier entscheidend. Die Lieferkettenbestimmungen des CSA bedeuten, dass grosse Schweizer Unternehmen – Ihre potenziellen oder bestehenden Kunden – detaillierte Nachhaltigkeitsdaten von jedem Zulieferer in ihrer Kette benötigen werden. Gemäss einer Umfrage von Swissmem aus dem Jahr 2025 planen bereits 68 % der grossen Schweizer Industrieunternehmen, innerhalb der nächsten 18 Monate ESG-Daten von Lieferanten einzufordern.
Dies erzeugt den sogenannten «Compliance-Weitergabe-Effekt»:
- Datenanfragen stehen bevor. Grosskunden werden Sie nach CO₂-Emissionsdaten, Energieverbrauchszahlen, Abfallmanagementpraktiken und Diversitätskennzahlen fragen – selbst wenn Sie weniger als 50 Mitarbeitende beschäftigen.
- Vertragsklauseln werden sich ändern. Rechnen Sie mit neuen Nachhaltigkeitsklauseln in Lieferantenvereinbarungen, einschliesslich Prüfungsrechten und ESG-Mindeststandards.
- Der Wettbewerbsvorteil verschiebt sich. KMU, die saubere, prüfbare ESG-Daten liefern können, werden Aufträge gegenüber jenen gewinnen, die dazu nicht in der Lage sind.
Scope-3-Emissionen: Die versteckte Pflicht
Das für KMU wohl folgenreichste Element ist die Scope-3-Emissionspflicht. Gemäss dem CSA müssen Grossunternehmen über indirekte Emissionen berichten, die in ihrer Wertschöpfungskette entstehen – sowohl vorgelagert (Lieferanten) als auch nachgelagert (Kunden und Endverbraucher).
Bei einem grossen Schweizer Industrieunternehmen machen Scope-3-Emissionen typischerweise 70–90 % des gesamten CO₂-Fussabdrucks aus. Das bedeutet, dass präzise Daten von Zulieferern wie Ihnen benötigt werden. Häufige Anfragen werden umfassen:
- Energieverbrauch pro Produktionseinheit
- Transport- und Logistikemissionen
- Rohstoffbeschaffung und zugehörige CO₂-Intensität
- Abfallaufkommen und Recyclingquoten
Können Sie diese Daten nicht liefern, wird Ihr Kunde voraussichtlich mit Branchendurchschnitten rechnen – und diese liegen fast immer höher als die tatsächlichen Werte. Das Ergebnis? Ihre Produkte erscheinen umweltschädlicher als sie sind, und Ihre Wettbewerbsfähigkeit leidet.
5 konkrete Schritte für Schweizer KMU-CFOs
Die gute Nachricht: Die Vorbereitung auf CSA-bezogene Anforderungen erfordert keine Grossinvestition. Hier sind fünf konkrete Massnahmen, die Ihr Finanzteam jetzt umsetzen kann.
1. Eine CO₂-Basiserhebung durchführen
Beginnen Sie mit der Messung Ihrer aktuellen Scope-1- und Scope-2-Emissionen. Tools wie die von uns empfohlenen Business-Monitoring-Dashboards können Energie- und Ressourcenverbrauchsdaten in Ihre bestehende Finanzberichterstattung integrieren. Bereits eine grundlegende Erhebung gibt Ihnen eine glaubwürdige Ausgangsbasis, wenn Kunden nachfragen.
2. Die eigene Lieferkette kartieren
Verschaffen Sie sich Klarheit darüber, woher Ihre Inputs stammen und welche ESG-Risiken sie bergen. Dies ist besonders wichtig für KMU in der Fertigung, Lebensmittelproduktion und Pharmabranche – Sektoren, in denen Schweizer Regulierungsbehörden voraussichtlich früh genauer hinschauen werden.
3. ESG-Kennzahlen in die Finanzplanung integrieren
Nachhaltigkeitsberichterstattung sollte nicht isoliert existieren. Integrieren Sie ESG-Datenpunkte in Ihre Budgetierungs- und Prognoseprozesse. Verfolgen Sie Energiekosten parallel zu Umsatzprognosen. Modellieren Sie die finanziellen Auswirkungen einer möglichen CO₂-Bepreisung auf Ihre Margen mithilfe von KI-gestützten Szenarioplanungstools.
4. Lieferantenvereinbarungen überprüfen und aktualisieren
Wenn Ihre eigenen Zulieferer Teil Ihres Emissionsfussabdrucks sind, fordern Sie deren Daten jetzt an. So sind Sie vorbereitet, wenn Ihre Grosskunden dieselbe Anfrage an Sie richten. Ein strukturierter Finanzwachstumsplan sollte die Kosten für Compliance-Anpassungen in Ihrer Lieferkette berücksichtigen.
5. Frühzeitig Expertenberatung einholen
Die Schnittstelle zwischen Nachhaltigkeitsregulierung und Finanzstrategie ist komplex. Ein Fractional CFO mit ESG-Expertise kann Ihnen helfen, compliance-fähige Finanzsysteme aufzubauen – ohne den Overhead einer Vollzeitstelle. Das ist besonders wertvoll für KMU mit 20–200 Mitarbeitenden, die diesen Wandel erstmals bewältigen.
Zeitplan: Was Sie erwartet
Basierend auf der veröffentlichten Roadmap des Bundesrats und dem typischen Schweizer Gesetzgebungsprozess ergibt sich folgender Zeitplan:
- April–Juli 2026: Vernehmlassungsphase
- Q4 2026: Der Bundesrat veröffentlicht einen überarbeiteten Entwurf unter Einbezug der Rückmeldungen
- H1 2027: Parlamentarische Debatte und Verabschiedung
- 2028: Erste Berichtspflichten für die grössten Unternehmen (voraussichtlich für Daten des GJ 2027)
- 2029–2030: Mögliche Ausweitung der Berichtspflichten auf mittelgrosse Unternehmen
Auch wenn 2028 noch weit entfernt scheinen mag – die Datenanfragen aus der Lieferkette von Grosskunden werden deutlich vor Inkrafttreten des Gesetzes beginnen. Unternehmen, die bis zuletzt warten, stehen vor überstürzten Implementierungen und höheren Kosten.
Das finanzielle Argument für frühes Handeln
Über die reine Compliance hinaus bietet frühes Handeln handfeste finanzielle Vorteile:
- Kostensenkung: Energieeffizienzmassnahmen, die durch CO₂-Erhebungen identifiziert werden, sparen KMU typischerweise 8–15 % der Betriebskosten
- Zugang zu grüner Finanzierung: Schweizer Banken bieten zunehmend Vorzugskonditionen für Unternehmen mit bestehender ESG-Berichterstattung
- Kundenbindung: «CSA-ready» zu sein, bevor es Ihre Mitbewerber sind, stärkt Ihre Position in Vertragsverhandlungen
- Risikomanagement: Das Verständnis Ihrer ESG-Exposition hilft Ihnen, regulatorische Veränderungen vorherzusehen und kurzfristige Compliance-Kosten zu vermeiden
Schweizer KMU können mit einem Scalemetrics Fractional CFO strategische Finanzführung erhalten, ohne eine Vollzeitstelle besetzen zu müssen.
Häufig gestellte Fragen
Gilt der CSA direkt für mein KMU?
Wenn Ihr Unternehmen weniger als 1’000 Mitarbeitende beschäftigt und einen Jahresumsatz von unter CHF 450 Millionen erzielt, gilt der CSA nicht direkt für Sie. Wenn Sie jedoch Waren oder Dienstleistungen an Unternehmen liefern, die in den Anwendungsbereich fallen, werden Sie indirekte Compliance-Anforderungen durch die Sorgfaltspflichten in der Lieferkette erfüllen müssen. Grosskunden benötigen Ihre ESG-Daten zur Erfüllung ihrer eigenen Berichtspflichten.
Welche Daten werden meine Grosskunden von mir verlangen?
Rechnen Sie mit Anfragen zu CO₂-Emissionsdaten (insbesondere Scope 1 und 2), Energieverbrauchszahlen, Abfall- und Wasserverbrauchskennzahlen, Diversitätsstatistiken der Belegschaft sowie Informationen über Ihre eigenen Sorgfaltsprozesse bei Lieferanten. Die genauen Anforderungen hängen von Ihrer Branche und dem Berichtsrahmen Ihres Kunden ab.
Was kostet die Vorbereitung auf CSA-bezogene Anforderungen für ein KMU?
Für ein typisches KMU mit 20–100 Mitarbeitenden liegen die Kosten für die initiale Basiserhebung und Systemeinrichtung zwischen CHF 10’000 und CHF 40’000, je nach Komplexität. Die laufenden jährlichen Kosten für Datenerfassung und Berichterstattung betragen typischerweise CHF 5’000–15’000. Diese Kosten werden häufig durch Energieeinsparungen und verbesserte Vertragskonditionen mit Grosskunden kompensiert.
Was passiert, wenn ich die benötigten Daten nicht liefern kann?
Können Sie keine tatsächlichen Emissions- und ESG-Daten vorlegen, wird Ihr Kunde voraussichtlich mit Branchendurchschnitten rechnen, die den Umwelteinfluss tendenziell überschätzen. Dadurch erscheinen Ihre Produkte oder Dienstleistungen weniger nachhaltig, als sie tatsächlich sein mögen, was Sie in einen Wettbewerbsnachteil bringen kann. In manchen Fällen suchen Kunden alternative Lieferanten, die verifizierte Daten liefern können.
Ist das vergleichbar mit der EU-CSRD?
Ja. Der Schweizer CSA orientiert sich eng an der EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) und ist darauf ausgelegt, regulatorische Gleichwertigkeit mit der EU zu gewährleisten. Das ist besonders relevant für Schweizer KMU, die in EU-Märkte exportieren, da die Angleichung bedeutet, dass dasselbe Berichtsrahmenwerk sowohl für Schweizer als auch für EU-Compliance-Anforderungen genutzt werden kann.
Warten Sie nicht auf das Gesetz, bereiten Sie sich jetzt vor
Der Swiss Corporate Sustainability Act stellt einen grundlegenden Wandel dar, wie Unternehmen bewertet werden – nicht mehr nur anhand finanzieller Leistung, sondern auch nach ökologischen und sozialen Auswirkungen. Für KMU ist der kluge Schritt, jetzt ESG-fähige Finanzsysteme aufzubauen, bevor Kundenanforderungen und regulatorische Fristen zusammentreffen.
Brauchen Sie Unterstützung bei der Integration von Nachhaltigkeitskennzahlen in Ihre Finanzplanung? Unser Team ist darauf spezialisiert, Schweizer KMU beim Aufbau compliance-fähiger, zukunftssicherer Finanzstrategien zu begleiten. Nehmen Sie Kontakt mit Scalemetrics auf, um zu besprechen, wie wir Ihr Unternehmen auf den CSA vorbereiten – und Compliance in einen Wettbewerbsvorteil verwandeln können.
Scalemetrics unterstützt Schweizer KMU dabei, solche Entscheidungen proaktiv zu treffen – bevor der Markt sich bewegt. Erfahren Sie mehr über unsere Budgetierung und Finanzprognosen oder entdecken Sie unsere CFO-Dienstleistungen für Schweizer Unternehmen.
Sources & References
Das Schweizer Gesetz zur Unternehmensverantwortung: Was seit 2022 gilt und was 2026 relevant ist
Das Schweizer Gesetz zur Unternehmensverantwortung (Art. 964a–964l OR) ist seit dem 1. Januar 2022 in Kraft und betrifft primär grosse Schweizer Unternehmen. Für KMU mit mehr als CHF 40 Mio. Umsatz, CHF 20 Mio. Bilanzsumme oder mehr als 250 Vollzeitstellen gelten jedoch ab einer gewissen Schwelle Berichtspflichten – und diese werden 2026 zunehmend auch von Lieferketten und Geschäftspartnern grösserer Unternehmen eingefordert.
Konkret: Schweizer KMU, die als Lieferanten für grössere Konzerne tätig sind, werden zunehmend mit Due-Diligence-Anfragen zu ihren Umwelt-, Sozial- und Governance-Praktiken (ESG) konfrontiert. Dies ist keine gesetzliche Pflicht für KMU, aber eine praktische Notwendigkeit, um wettbewerbsfähig zu bleiben und Aufträge zu sichern.
Praktische ESG-Compliance für Schweizer KMU
Für Schweizer KMU, die ESG-Anforderungen erfüllen wollen, ohne unverhältnismässige Ressourcen aufzuwenden, empfiehlt sich ein pragmatischer Ansatz. Zunächst eine Wesentlichkeitsanalyse: Welche ESG-Themen sind für Ihr Geschäftsmodell, Ihre Branche und Ihre Stakeholder tatsächlich relevant? Ein Maschinenbauer in der Zentralschweiz hat andere Prioritäten als ein Finanzdienstleister in Zürich.
In der Praxis beginnen viele Schweizer KMU mit folgenden Massnahmen: CO2-Fussabdruck-Berechnung (Scope 1 und 2), Lieferantenaudit bezüglich Arbeits- und Umweltstandards, Einführung eines Verhaltenskodex (Code of Conduct) und Erstberichterstattung nach einem anerkannten Framework (z.B. GRI Standards Kern-Option oder das Swiss-made KMU-Reporting-Tool von Inrate). Die Kosten für einen Erstbericht liegen je nach Umfang bei CHF 10.000–30.000 mit externer Unterstützung.
| ESG-Bereich | Gesetzliche Pflicht KMU | Marktpraktische Anforderung |
|---|---|---|
| Umweltberichterstattung | Ab 500 MA / Schwellenwerte | Zunehmend von Grosskunden gefordert |
| Sorgfaltspflicht Lieferkette | Nur Kinderarbeit / Mineralien | Vollständige Due Diligence empfohlen |
| Lohngleichheitsanalyse | Ab 100 MA (GlG) | Best Practice für alle KMU |
| ESG-Reporting | Nur grosse Unternehmen | Freiwillig, aber wettbewerbsrelevant |
Für eine strategische ESG-Beratung und die Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in Ihre Unternehmensführung steht Ihnen unser Team für Strategic CFO gerne zur Verfügung.
