Ergänzungssteuer Schweiz 2026: Vollständiger Leitfaden zur QDMTT-Erklärung für Pillar-2

QDMTT Switzerland 2026 Pillar 2 filing guide

<!– geo-tldr –> Wie QDMTT die Unternehmenssteuer Schweiz für grosse KMU verändert: Pillar-2-Mindeststeuerberechnung, SBIE-Befreiungen, Meldefrist 30. Juni 2026 und was der effektive Steuersatz von 15% für Ihre Schweizer Steuerposition bedeutet. <!– /geo-tldr –>

Ende Mai rief der CFO einer Zuger Technologieholding an – Teil eines Konzerns mit EUR 2,3 Milliarden konsolidiertem Jahresumsatz. Das Beratungsgespräch hatte eine klare Botschaft hinterlassen: Die erste Schweizer QDMTT-Erklärung muss bis zum 30. Juni 2026 eingereicht sein. Der effektive Steuersatz des Unternehmens in Zug lag bei 11,9% – genau 3,1 Prozentpunkte unter dem globalen Mindeststeuerstandard der OECD von 15%. Ergänzungssteuer berechnen, dokumentieren, einreichen. In unter drei Wochen. Auf Basis eines GloBE-Datenmodells, das das Team zuvor noch nie erstellt hatte.

Diese Situation ist keine Ausnahme. Sie wiederholt sich gerade in Zug, Nidwalden, Schaffhausen und weiteren Schweizer Niedrigsteuerkantonen. Falls Ihre Schweizer Gesellschaft Teil eines grossen multinationalen Konzerns ist und Ihr Team noch fragt "Betrifft uns das?" – dieser Leitfaden gibt die Antwort.

Was ist die QDMTT? Warum die Schweiz eine eigene Mindeststeuer eingeführt hat

Die Qualifying Domestic Minimum Top-Up Tax (QDMTT) ist die nationale Umsetzung des globalen OECD-Pillar-2-Mindeststeuerrahmens durch die Schweiz. Pillar 2 verpflichtet grosse multinationale Konzerne dazu, in jeder Jurisdiktion, in der sie tätig sind, einen effektiven Mindeststeuersatz (ETR) von 15% auf ihre Gewinne zu entrichten. Liegt der ETR einer Jurisdiktion darunter, kann die Differenz – die sogenannte Ergänzungssteuer – vom Sitzstaat des Mutterkonzerns erhoben werden.

Die Schweiz hat vorausschauend reagiert. Mit dem Bundesgesetz über die Ergänzungssteuer, das am 1. Januar 2024 in Kraft getreten ist, stellt die Schweiz sicher, dass die auf Schweizer Gewinnen fällige Ergänzungssteuer in der Schweiz verbleibt – bei der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) – und nicht in eine ausländische Staatskasse abfliesst. Die erste Erklärung für das Steuerjahr 2024 muss bis zum 30. Juni 2026 eingereicht werden.

Unternehmenssteuer Schweiz: Wie QDMTT die Schweizer Steuerstruktur für grosse KMU verändert

Die QDMTT – die Qualifizierte Inländische Ergänzungssteuer – verändert die Unternehmenssteuer Schweiz für Schweizer Unternehmen im Geltungsbereich des OECD-Pillar-2-Rahmens erheblich. Per 1. Januar 2024 hat die Schweiz die QDMTT durch das Bundesgesetz über die Mindestbesteuerung grosser Unternehmensgruppen eingeführt. Für Schweizer KMU mit konsolidierten Konzernumsätzen über EUR 750 Millionen gilt: Der Bund erhebt eine Ergänzungssteuer, um den effektiven Steuersatz auf 15% anzuheben – auch in steuerlich attraktiven Kantonen wie Zug (11,9%) oder Nidwalden (12,0%).

Die Compliance-Anforderungen unter QDMTT sind umfangreich. Eine QDMTT-Meldung muss innerhalb von 15 Monaten nach Geschäftsjahresende bei der ESTV eingereicht werden – konkret: bis zum 30. Juni 2026 für die Jahresrechnung 2024. Sie enthält GloBE-Einkommensberechnung, SBIE-Befreiungsanalyse und die Ergänzungssteuerberechnung je Rechtseinheit.

Das Scalemetrics-Team koordiniert die QDMTT-Analyse mit Ihrem Treuhänder und liefert das CFO-seitige Finanzmodell für eine präzise Ergänzungssteuerberechnung. Zur Unternehmenssteuer Schweiz unter QDMTT gehören auch laufende Compliance-Pflichten, die weit über eine einmalige Erklärung hinausgehen.

Wer ist betroffen? Der EUR 750-Millionen-Schwellenwert erklärt

Die QDMTT gilt für Schweizer Konzerneinheiten – Gesellschaften und Betriebsstätten – die Mitglieder eines multinationalen Konzerns mit einem konsolidierten Gesamtumsatz von EUR 750'000'000 oder mehr in mindestens zwei der vier vorangehenden Geschäftsjahre sind. Dieser Schwellenwert entspricht den GloBE-Regeln und dem länderbezogenen Berichterstattungs-Schwellenwert (CbCR). Wer bereits CbCR-Meldungen erstellt, befindet sich damit im Anwendungsbereich.

Besonders betroffen sind Kantone mit effektiven Gewinnsteuersätzen unter 15%: Zug (11,9%), Nidwalden (11,97%), Obwalden (12,66%), Appenzell Innerrhoden (13,04%) und Schaffhausen (13,49%). Eigenständige Schweizer KMU ohne qualifizierenden ausländischen Mutterkonzern sind vollständig vom Anwendungsbereich ausgenommen.

Die Frist 30. Juni: Was muss eingereicht werden?

Die QDMTT-Erklärung für das Steuerjahr 2024 muss bis zum 30. Juni 2026 bei der zuständigen kantonalen Steuerverwaltung am Sitz der Schweizer Gesellschaft eingereicht werden. Die Erklärung umfasst folgende Kernelemente:

  • GloBE-Nettoeinkommen – nicht identisch mit dem schweizerischen Handelsbilanzergebnis; erfordert spezifische GloBE-Anpassungen
  • Erfasste Steuern (Covered Taxes) – laufende und latente Steuern gemäss GloBE-Regeln
  • SBIE-Berechnung – substanzbasierte Abzüge für Lohnkosten und Sachanlagen
  • Wahlrecht Transitional CbCR Safe Harbour, sofern anwendbar
  • Ergänzungssteuer-Betrag – oder Bestätigung einer Null-Haftung

Rechenbeispiel: Zug-Gesellschaft mit CHF 2 Mio. Gewinn

Zur Veranschaulichung dient eine Zuger Betriebsgesellschaft mit einem GloBE-Nettoeinkommen von CHF 2'000'000, erfassten Steuern von CHF 238'000 (ETR: 11,9%), anrechenbaren Lohnkosten von CHF 1'200'000 und Sachanlagen im Buchwert von CHF 3'000'000.

SBIE (2024 Übergangssätze): (9,8% x CHF 1'200'000) + (7,8% x CHF 3'000'000) = CHF 117'600 + CHF 234'000 = CHF 351'600. GloBE-Einkommen nach SBIE: CHF 2'000'000 – CHF 351'600 = CHF 1'648'400. Mindeststeuer bei 15%: CHF 247'260. Ergänzungssteuer: CHF 247'260 – CHF 238'000 = CHF 9'260.

Ohne SBIE würde die Ergänzungssteuer CHF 62'000 betragen. Die substanzbasierte Reduktion durch Schweizer Lohnkosten und Sachanlagen mindert die Belastung um 85%. Korrekt dokumentierte Schweizer Substanz ist damit der wirksamste legale Hebel zur Steuerminimierung.

SBIE: Die Substanzabzüge als legales Reduktionsmittel

So funktionieren die Übergangssätze 2024 in der Praxis: 9,8% der anrechenbaren Lohnkosten und 7,8% des Buchwertes der anrechenbaren Sachanlagen – beide Sätze liegen höher als die dauerhaften Werte, die bis 2033 auf je 5% sinken.

Anrechenbare Lohnkosten umfassen Löhne, Gehälter, AHV-Arbeitgeberbeiträge und BVG-Beiträge für Mitarbeitende, die ihre Tätigkeit physisch in der Schweiz ausüben. Zugeteilte Kosten aus dem Ausland qualifizieren nicht, sofern die Mitarbeitenden nicht in der Schweiz tätig sind. Anrechenbare Sachanlagen sind Sachanlagen in der Schweiz – Gebäude, Maschinen, Einrichtungen – nicht jedoch Goodwill, immaterielle Vermögenswerte oder Finanzanlagen.

Transitional CbCR Safe Harbour: Sind Sie für 2024 befreit?

Viele Schweizer Gesellschaften können für 2024 den Transitional CbCR Safe Harbour nutzen, der die Ergänzungssteuer auf null reduziert – ohne vollständige GloBE-Berechnung. Der Safe Harbour greift, wenn eines von drei Tests auf Basis der CbCR-Daten für die Schweiz erfüllt ist:

1. De-minimis-Test: Schweizer CbCR-Umsatz unter EUR 10'000'000 oder Gewinn vor Steuern unter EUR 1'000'000 2. Vereinfachter ETR-Test: Schweizer vereinfachte ETR (CbCR-Steueraufwand ÷ CbCR-Gewinn) liegt 2024 bei oder über 15% 3. Routine-Gewinn-Test: Schweizer Gewinn liegt unter dem SBIE-Betrag

Das Wahlrecht muss aktiv in der QDMTT-Erklärung ausgeübt und mit CbCR-Dokumentation belegt werden. Es gilt nicht automatisch. Falsch gewählte Safe Harbours können zu Nachforderungen führen. Eine professionelle Überprüfung der CbCR-Daten gegen alle drei Tests ist vor der Wahl obligatorisch.

Das Scalemetrics-Team unterstützt Schweizer Konzerneinheiten internationaler Konzerne bei ihrer Körperschaftsteuer- und MWST-Compliance Schweiz – einschliesslich QDMTT-Erklärungsvorbereitung, GloBE-Modellierung, SBIE-Optimierung und Safe-Harbour-Analyse. Für CFOs, die neben der Steuercompliance strategische Finanzführung benötigen, bieten unsere CFO-Dienstleistungen Schweiz die benötigte Expertise ohne Vollzeitanstellung.

Häufig gestellte Fragen

Was ist die Einreichungsfrist für die QDMTT in der Schweiz?

Die QDMTT-Erklärung für das Steuerjahr 2024 muss bis zum 30. Juni 2026 bei der zuständigen kantonalen Steuerverwaltung eingereicht werden. Es handelt sich um die erste Schweizer QDMTT-Einreichung überhaupt – ein Datum, das keine Verlängerung nach sich zieht.

Welche Schweizer Unternehmen müssen eine QDMTT-Erklärung einreichen?

Betroffen sind Schweizer Konzerneinheiten von multinationalen Konzernen mit EUR 750 Millionen oder mehr konsolidiertem Jahresumsatz in mindestens zwei der vier vorangegangenen Geschäftsjahre. Eigenständige Schweizer KMU ohne entsprechenden ausländischen Mutterkonzern sind vollständig vom Anwendungsbereich ausgenommen.

Was ist das SBIE und wie reduziert es die QDMTT?

Der substanzbasierte Einkommensabzug mindert das GloBE-Nettoeinkommen um 9,8% der anrechenbaren Lohnkosten und 7,8% der anrechenbaren Sachanlagen (Übergangssätze 2024). Echte Schweizer Substanz kann die Ergänzungssteuer um bis zu 85% reduzieren – wie das obige Rechenbeispiel zeigt.

Kann der Transitional CbCR Safe Harbour genutzt werden?

Ja, sofern Ihre Schweizer Gesellschaft einen von drei Tests auf Basis der CbCR-Daten erfüllt: den De-minimis-Test, den vereinfachten ETR-Test (bei oder über 15%) oder den Routine-Gewinn-Test. Das Wahlrecht muss aktiv ausgeübt werden – es greift nicht von selbst.

Heben kantonale Steuerrulings die QDMTT-Pflicht auf?

Nein. Bestehende kantonale Rulings mit Vorzugssteuersätzen heben die QDMTT-Pflicht nicht auf. Führt ein Ruling zu einer effektiven Steuerbelastung unter 15%, fällt trotzdem eine Ergänzungssteuer an. Unternehmen mit Legacy-Rulings aus früheren Lizenzbox-Regimes oder kantonalen Anreizvereinbarungen müssen ihre QDMTT-Exposition unabhängig vom bestehenden Ruling prüfen.

Was umfasst ausgelagerte Buchhaltung für Schweizer KMU?

Ausgelagerte Buchhaltung für Schweizer KMU umfasst OR-konforme Buchführung nach Art. 957-963b, monatliche Bankabstimmung, Debitoren- und Kreditorenverwaltung, Lohnläufe mit AHV/BVG/UVG-Abzügen, vierteljährliche MWST-Abrechnungen und monatliche Abschlüsse – geliefert von einem externen Spezialisten ohne die Fixkosten eines internen Teams.

Welche Buchführungsstandards gelten für Schweizer KMU?

Schweizer KMU führen Bücher nach dem Obligationenrecht (OR), Art. 957-963b: Accrual-Basis-Buchhaltung, Bilanz und Erfolgsrechnung. Unternehmen über CHF 500.000 Umsatz oder 10+ Mitarbeitenden benötigen eine eingeschränkte Revision, sofern nicht alle Gesellschafter den Verzicht beschlossen haben.

Seit wann erhebt die Schweiz die OECD-Mindeststeuer, und wie funktioniert sie?

Die Schweiz erhebt seit dem 1. Januar 2024 eine qualifizierte nationale Ergänzungssteuer (QDMTT) und seit dem 1. Januar 2025 die internationale Ergänzungssteuer nach der Income Inclusion Rule (IIR). Die QDMTT hebt den effektiven Satz betroffener Konzerne auf 15% an und begrenzt den Vorteil tiefer Kantonssätze. Erste Einnahmen werden 2026 erwartet. Ein rein national tätiges KMU unter EUR 750 Millionen konsolidiertem Umsatz bleibt ausserhalb des Anwendungsbereichs. Grundlage: EFD-Dossier vom 4. September 2024.

Pascal Stämpfli, CFA – MD & CFO Strategist bei Scalemetrics
Pascal Stämpfli, CFA
MD & CFO Strategist, Scalemetrics

Pascal ist ein erfahrener Finanzfachmann, Venture-Capital-Experte und vertrauenswürdiger Berater für Startups und Investoren. Er ist CFA-Charterholder und hat einen Master in Ökonomie der Universität St. Gallen. Er ist Gründer von Scalemetrics und Mitgründer von Kubera Equity. Mit über einem Jahrzehnt Erfahrung in Corporate Finance und Venture Building hat Pascal Tausende von Unternehmen in der Frühphase bewertet und Gründer in ganz Europa beraten. Als Managing Partner bei COREangels Big Data & AI Europe und regelmässiges Jurymitglied bei Pitch-Events ist er tief in der Zürcher Startup-Szene verwurzelt und weithin als Experte für Erfolgsfaktoren und Wachstumsfinanzierung anerkannt.